Wissen für Privatanleger

Wenn Sie beim Arzt sitzen und dieser Ihren Befund mit Ihnen bespricht, verstehen Sie meistens nicht, was gemeint ist. Kennen Sie diese Situation? Wahrscheinlich schon.


Nicht viel anders ist es in der Finanzbranche. Wenn Sie mit einem Berater sprechen, werden allerlei Fachausdrücke verwendet, anscheinend soll dies Kompetenz ausstrahlen. Selbst Magazine, die sich an Privatanleger richten, sind gespickt mit unverständlichen Formulierungen.


Dies hier ist eine kleine Übersicht von wichtigen Ausdrücken/Produkten/Gepflogenheiten im Finanzgeschäft. Die Auflistung erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, die Formulierungen sind bewusst einfach gehalten, alles mit dem Ziel: Mehr Verständnis zu Finanzprodukten an Sie als Privatanleger zu vermitteln damit Sie im Beratungsgespräch auch selbst beurteilen können, von was die Rede ist und von welchen Produkten Sie eher die Finger lassen sollen.


Wenn Sie Anregungen oder Fragen haben, senden Sie uns ein Mail: .

 


Wichtige Finanzprodukte:

Sparbuch, Sparcard, Onlinekonto:
Einfachstes Finanzprodukt. Jede Bank bietet zumindest 1 Produkt dieser Kategorie an.
Das Geld auf diesen Konten kann gebunden sein (meist mit einer Fixzinsgarantie) oder täglich verfügbar sein (dann meist mit variablen Zinsen). Die Zinsen auf diesen Produkten sind meist sehr niedrig und liegen zurzeit meist unter der Inflationsrate. Somit wird die Kaufkraft des derart geparkten Geldes von Tag zu Tag weniger.
Trotzdem unverzichtbar für den „Notgroschen“ oder Barreserve.
Österreichische Produkte/Banken unterliegen der österreichischen Einlagensicherung.
Diese gilt bis zu Euro 100.000,-- je Institut und Person.


Anleihen:

(andere Ausdrücke: Bond, Obligationen, Schuldverschreibung)
Anleihen sind Schuldverschreibungen mit einer fixen Laufzeit und meist fixen Zinsen.
Es ist nichts anderes als ein Kredit zwischen 2 Parteien: Der Kreditgeber ist der Anleger – also Sie; der Kreditnehmer kann ein Staat (Staatsanleihe) oder ein Unternehmen sein (Unternehmensanleihe).
Mit diesem Wissen liegt es auf der Hand, dass – wenn Sie eine Anleihe kaufen – es sehr wichtig ist, wer der Kreditnehmer (Emittent) ist.
Je besser die Kreditwürdigkeit des Emittenten, desto geringer die Verzinsung.
Eben auch hier bewahrheitet sich: Je höher der angebotene Zinssatz, desto größer das Risiko.
Beispiel: Eine Unternehmensanleihe lockt mit 8% Zinsen pro Jahr. Sie investieren Euro 10.000,-- und bekommen auch 2mal Zinsen ausbezahlt. Danach gerät das Unternehmen in Schwierigkeiten. Bei den Insolvenzverhandlungen wird ausgehandelt, dass die Großgläubiger (meist Banken und große Lieferanten) auf 50% der Forderungen verzichten. Als Kleininvestor unterliegen Sie der gleichen Regelung und erhalten so lediglich 50% des Kapitaleinsatzes zurück. Rechnet man die Zinsen nach Steuer noch dazu, haben Sie einen Verlust von Euro 3800,-- realisiert – also 38%. Und das bei einer Anleihe, von der Sie glaubten, sie sei sicher.
Am sichersten gelten Staatsanleihen mit ausgezeichneter Bonität (zB Deutschland oder Österreich).
Aber Vorsicht: Auch Staaten gingen in der Geschichte schon mehrmals bankrott!


Aktien:

(andere Ausdrücke: Stocks, Shares)
Aktien sind Beteiligungen an Unternehmen. Aktien werden meist an der Börse gehandelt, der Preis bildet sich nach Angebot und Nachfrage. Freilich ist Angebot und Nachfrage abhängig von den wirtschaftlichen Aussichten des Unternehmens, von der Weltkonjunktur und natürlich auch vom Management der AG. Um den Preis einer Aktie zu beurteilen, gibt es viele Parameter. Häufig lesen Sie zum Beispiel KGV (= Kurs-Gewinn-Verhältnis). Hier wird der Aktienkurs zum Gewinn je Aktie gestellt.
Ein einfaches Beispiel: Ein Unternehmen hat 1 Mio Aktien, der Kurs je Aktie ist Euro 100,--; somit ist das Unternehmen an der Börse 100 Mio wert. Das Unternehmen macht einen Gewinn von 10 Mio, das sind Euro 10,-- je Aktie. Bei einem Kurs von 100 ist das KGV 10 (100/10). So ein Unternehmen würde man als günstig einstufen. Natürlich sind auch die Marktaussichten des Unternehmens zu beachten, denn das KGV spiegelt ja den Gewinn der Vergangenheit wieder.
Wenn das Unternehmen Euro 2,-- je Aktie als Gewinn ausschüttet, bezeichnet man dies als Dividende.
Die Dividendenrendite wäre dann 2% (2 Euro/ 100 Euro Kurs).


Optionsscheine, Termingeschäfte:
Von diesen Instrumenten sollten Sie als Privatanleger die Finger lassen.
Optionen sind das Versprechen, in Zukunft etwas zu einem fixen Preis kaufen zu können (= Call Option) oder etwas verkaufen zu können (= Put Option).

Beispiel: Aktie X, aktueller Kurs 100,--. Sie kaufen einen Optionsschein und haben das Recht, die Aktie X in 24 Monaten zum Kurs 120,-- zu kaufen (Sie gehen von steigenden Kursen der Aktie X aus).
Ein Optionsschein kostet Euro 5,--. Sie investieren Euro 1000,-- und erhalten 200 Stück.
Szenario 1: Der Kurs der Aktie steigt auf 140,--, da Sie ja um 120,-- kaufen können, haben Sie je Aktie eine Differenz von 20,-- gewonnen x 200 Stück = 4000,-- abzüglich der Kosten für die Optionsscheine – 1000,- ergibt einen Gewinn von Euro 3000,-- bei einem Einsatz von Euro 1000,--. Ein gutes Geschäft also.
Szenario 2: der Kurs der Aktien steigt nicht oder fällt sogar, der Optionsschein ist wertlos (Sie können die Aktie ohne Optionsschein ja billiger kaufen), Sie haben einen Verlust von Euro 1000,--. Das ist ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals!
(Vereinfachte Betrachtung ohne Steuern und Spesen)


Fonds:

Sind Konstrukte, in denen oben genannte Einzeltitel gebündelt werden. Der Vorteil eines Fonds ist die Risikostreuung. Bereits bei geringem Kapitaleinsatz können Sie Ihre Investition auf viele Einzeltitel aufteilen.

Anleihefonds: Diese Fonds enthalten Anleihen. In den Fondsbestimmungen ist genau festgehalten, in welche Anleihen der Fondsmanager investieren muss. Der Vorteil eines Fonds ist die Risikostreuung, mit vergleichsweise geringen Mitteln können Sie Ihre Investitionen aufteilen.


Aktienfonds:
Diese Fonds enthalten Aktien. In den Fondsbestimmungen, meist auch schon am Namen des Fonds erkennbar, ist festgehalten, welche Aktien der Fonds enthält. ZB: Wenn ein Fonds „Global Stocks“ genannt wird, sind weltweit Aktien enthalten.


Mischfonds:
Diese enthalten sowohl Aktien als auch Anleihen. Welche Anleihen und Aktien der Fonds enthält, finden Sie im Fondsprospekt.
Hier gibt es Fonds mit einem relativ fixem Aufteilungsverhältnis zwischen Aktien und Anleihen und flexible Fonds, die ihre Aktienquote den Marktverhältnissen anpassen können (Vermögensverwaltende Fonds).


Hedgefonds:
Gruppe jener Fonds die in Termingeschäfte, Optionsgeschäfte, Währungs und Zinsgeschäfte investieren. Diese Fonds sind meist sehr intransparent gestaltet, sollten bestenfalls als Beimischung gesehen werden.


Rohstoffe:

Am weitesten verbreitet für Privatanleger ist der Erwerb von physischem Gold.
Physisch bedeutet: Sie haben nicht lediglich ein Wertpapier das den Preis abbildet sondern das Gold in Händen oder im Tresor.
Gold ist einfach und weltweit handelbar, Kurse werden täglich transparent gebildet.

Es gibt auch Wertpapiere auf jeden möglichen Rohstoff. Bei Wertpapieren ist im Gegensatz zum physischen Besitz auch das Emittentenrisiko zu beachten.

 

Begriffe aus dem Finanzwesen


Emittent:

Emittent ist eine Institution, die zum Zwecke der Geldbeschaffung Wertpapiere ausgibt.
Das Emittentenrisiko ist somit die Beurteilung der Fähigkeit, ob der Ausgeber den im Wertpapier vereinbarten Pflichten auch nachkommen kann (zb:. Bei einer Anleihe der Zinszahlung und schlussendlich der Tilgung zum vereinbarten Zeitpunkt).

Volatilität:
Vereinfacht bedeutet die Volatilität die Schwankungsbreite eines Kurses (Abweichungen nach oben und unten vom statistischen Mittel).
Hohe Volatilität: Starke Schwankungen
Niedrige Volatilität: geringe Schwankungen
Beachten Sie bitte: Die Volatilität ist eine statistische Kennzahl, die sich auf die Vergangenheit bezieht. Fälschlicherweise wird eine geringe Volatilität oft mit geringem Risiko gleichgesetzt.


Zum Glossar der ÖNB